Mitteldeutsches Immobilienjournal
ivd Mitte/Ost

Ausverkauf bei der Bahn

 

Die Szenerie erinnert etwas an einen Wildwestfilm: Ein leeres, verwahrlostes Gebäude mit kaputten Fenstern und bröckelndem Putz; zwei verlassene Gleise in der Landschaft, an denen sich nur zwei baufällige Haltestellenhäuser, ein graffitibedeckter Fahrscheinautomat und ein mittlerweile leerer Fahrplanhalter befinden. Was nach einer düsteren Zukunftsprognose klingt, ist für viele kleine Bahnstationen deutschlandweit bereits Realität. Die Deutsche Bahn AG trennt sich immer häufiger von ihren ungeliebten Bahnhofsempfangsgebäuden. So stehen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen derzeit knapp 90 solcher Objekte auf der Verkaufsliste.
 

Der große Ausverkauf von Bahnhofsgebäuden erfolgt auf der Grundlage der Bahnreform Stufe I von 1994. Sie ist der erste Schritt der Deutschen Bahn, nicht rentable Objekte auszugliedern. Die Immobilien wurden damals zwischen Bund und Bahn auf Basis von Nutzenkriterien aufgeteilt. Im Jahr 1999 erfolgte die Bahnreform Stufe II, mit der das Schienenunternehmen zum Konzernumgewandelt wurde. Die Ausrichtung auf wirtschaftliches Arbeiten brachte esmit sich, dass sich die Deutsche Bahn AG seitdem verstärkt von unprofitablen Immobilien trennt. Betroffen sind davon Grundstücke, Betriebswerke, Lagerhallen und einzelne Gebäude. Mittlerweile löstsich auch der Bund zunehmend von seinen Bahnliegenschaften. Das führt dazu, dass ein Bahnareal mehrere verschiedene Besitzer und Eigentumsverhältnisse haben kann.

Jörg Bönisch, Pressesprecher der Bahn AG, betont dabei, dass nicht Bahnhöfe als Ganzes verkauft würden, sondern „nur die nicht mehr benötigten Bahnhofs- bzw. Empfangsgebäude.“ Bahnsteige, Zugänge und Verkehrsstationen würden weiterhin der Deutschen Bahn gehören, so dass Reisende nicht mit Einschränkungen rechnenmüssten.
Die Deutsche Bahn AG begründet den Verkauf der einstigen Empfangshallen damit, dass die Gebäude für den Schienenbetrieb nicht mehr benötigt werden. „Information und Ticketverkauf am Automaten oder im Internet sind längst üblich geworden und werden von immer mehr Reisenden problemlos genutzt“, erklärt Jörg Bönisch. So ersetzen elektronische Stellwerke und Fahrkartenautomaten zunehmend das Bahnhofspersonal. Fällt dieser Fahrdienstservice erstmal weg, ist das Empfangsgebäude für den Bahn-Konzern nicht mehr rentabel. Dass die Deutsche Bahn AG bei ihren Immobilien durchaus auf Gewinnoptimierung bedacht ist, zeigt sich zum Beispiel in der Aussage von Rolf Reh, Vorstandsmitglied der Station&Service AG: „Es ist schon seit Jahren ein strategisches Ziel, unser Immobilienportfolio durch die Veräußerung von nicht mehr betriebsnotwendigen Immobilien auf ein Kernportfolio zu optimieren.“

Im Internet werden diese Immobilien, die die Bahn verkaufen möchte, wie folgt angepriesen: „Dieses repräsentative Bahnhofsgebäude wurde um 1910 in massiver Bauweise aus Sandstein errichtet. Das schöne Gebäude besticht besonders durch die Rundbogenfenster und Türen im Erdgeschoß.“ Bei genauerem Lesen der Verkaufsliste fällt jedoch sofort auf: Es sind vor allem die wenig rentablen Gebäude, die sich in kleineren Ortschaften oder an stillgelegten Strecken befinden, die die Bahn gern veräußern möchte. Viele Gebäude sind in schlechtem Zustand oder sanierungsbedürftig. Daneben gibt es weitere Probleme bei der Nachnutzung: die Objekte stehen teilweise unter Denkmalschutz. Hinzu kommt, dass der angrenzende Bahnhofsbetrieb sich auf die Umgestaltung der Empfangshallen auswirkt. So müssen die Gleise für den täglichen Reiseverkehr weiterhin zugänglich sein. Dazu befinden sich in manchen Häusern noch Anlagen der Bahn wie Stellwerksanbauten, Beleuchtungsmasten und Stromkabel, die in den Gebäuden bleiben müssen und für Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG erreichbar sein müssen.

 

 

Den vollständigen Artikel finden Sie auf Seite 15 des Mitteldeutschen Immobilienjournals 1/2008. Bestellen Sie jetzt für nur 5 Euro das komplette Heft.
> Hier geht es zum Bestellformular.

Zurück zur Übersicht